Warum ein KI-Plakat dem anderen gleicht (und was das für dein Projekt bedeutet)

Man erkennt es fast auf den ersten Blick: die riesige, schräg gestellte Pinselschrift-Headline mit hartem Schlagschatten, der grelle Explosions- oder Sonnenuntergangs-Hintergrund, der runde Badge mit fetter Prozent- oder Preisangabe, und ganz unten die Info-Leiste mit Icon-Symbolen für Datum, Uhrzeit und Ort. KI-generierte Plakate haben inzwischen einen eigenen, sehr wiedererkennbaren Stil entwickelt – unabhängig davon, wofür sie eigentlich werben sollen.

Warum das passiert

KI-Modelle wie ChatGPT oder andere Plakat-Generatoren wurden mit Unmengen an Design-Daten trainiert – und statistisch gesehen ist ein bestimmter Stil im Web einfach am häufigsten vertreten: laut, dramatisch, mit maximalem Kontrast und Dringlichkeits-Sprache. Die KI generiert nicht das, was zu einer Marke passt, sondern das, was im Durchschnitt am wahrscheinlichsten als „aufregendes Plakat“ erkannt wird. Das Ergebnis: Ein Elektronikmarkt mit Black-Friday-Sale und ein Musikfestival im Sommer bekommen im Zweifel exakt dasselbe Grundgerüst vorgeschlagen.

Der typische Ablauf bei Kunden

Die erste Reaktion ist oft Begeisterung: In Sekunden entsteht etwas, das laut, bunt und „fertig“ aussieht – ganz ohne Briefing, ganz ohne Wartezeit. Genau das macht die Verlockung so groß.

Die Ernüchterung kommt meist erst später, wenn der Kunde merkt: Das Plakat hat keine Verbindung zur eigenen Marke, wirkt austauschbar, und andere Sale-Plakate oder Festival-Ankündigungen aus komplett anderen Branchen nutzen zufällig fast dieselbe Bildsprache. Spätestens dann taucht die Frage auf, ob ein Designer „das noch retten kann“ – oder ob man direkt neu denkt.

Warum „retten“ oft schwerer ist als neu anfangen

Ein KI-Plakat nachträglich in eine echte Markenidentität zu überführen bedeutet meist mehr Aufwand als ein Design von Grund auf zu entwickeln. Die Struktur ist bereits gesetzt, die generischen Entscheidungen (Schriftstil, Farbdramaturgie, Icon-Leiste) sind tief eingebettet, und der Kunde hat sich emotional oft schon an das erste Ergebnis gewöhnt. Häufig ist der ehrlichere und schnellere Weg, mit dem eigentlichen Markenkern neu zu starten, statt die KI-Vorlage Stück für Stück zu „entgenerifizieren“.

Was KI in diesem Prozess trotzdem gut kann

Das heißt nicht, dass KI im Design nutzlos ist – im Gegenteil. Für erste Ideenfindung, schnelle Layout-Varianten zum Diskutieren oder als Ausgangspunkt für ein Kundengespräch ist sie ein enorm hilfreiches Werkzeug. Der entscheidende Unterschied liegt darin, ob KI als Ausgangspunkt für einen gestalterischen Prozess genutzt wird – oder als Endergebnis verkauft wird.

Fazit

Ein Plakat, das aussieht wie jedes zweite KI-generierte Plakat im Netz, ist kein Design – es ist ein Durchschnittswert. Echtes Branding entsteht dort, wo jemand versteht, wofür ein Unternehmen eigentlich steht, und das in eine unverwechselbare visuelle Sprache übersetzt. Genau das kann (noch) keine KI allein.

beide Plakate auf pixexact .com gefunden